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Das Englmari-Suchen
ein Schauspiel mit über 150-jähriger Tradition

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Bereits vor über 800 Jahren wurde Engelmar seliggesprochen

berggottesdienstNach einem alten Manuskript 1188 selig gesprochen”, so heißt es in einem  alten Heiligenlexikon über den seligen Engelmar, Namenspatron des Bergdorfes und modernen Luftkurortes unterm Predigtstuhl direkt an der Landkreisgrenze  von Straubing und Regen-Viechtach gelegen.

Die Einsiedelei Engelmars befand sich zum Ende des 11. Jahrhunderts im Gebiet des Grafen von Bogen. Die Forschung nimmt an, dass Engelmar bestimmte seelsorgerische Aufgaben wahrzunehmen hatte. Über seiner Grabstätte errichtete man 1131 eine steinerne Kirche. Die lateinisch abgefasste Vita entstand 1146 im Kloster Windberg, aufgezeichnet vom ersten Abt Gebhard von Bedenburg.

Auf die Legende vom Tod und Auffinden des seligen Engelmar geht das religiöse Schauspiel des Englmari-Suchens im heute so beliebten Ferienort Sankt Englmar zurück. Es findet dieses Jahr am Pfingstmontag bereits zum 155. Mal statt und hat bis heute nichts von seiner Anziehungskraft und Faszination verloren. In einem religiösen Schauspiel wird von den Einwohnern der Gemeinde die Einholung des Leichnams des Ortspatrons, des seligen Engelmar, dargestellt.

Die Legende

Der selige Engelmar stammte aus einer bäuerlichen Familie. Unter Bischof  Gregorius, der aus Armenien geflohen war, wurde Engelmar in dessen Einsiedlerkolonie in Passau als Eremit ausgebildet. Nach demochsengespann Tod des Bischofs zur Zeit der großen Sonnenfinsternis des Jahres 1093 (24. September) und nachfolgender Pestzeit verließ Engelmar Passau und begab sich in die Einsamkeit. Er errichtete an der höchsten Stelle des Bayerweges, der von Schwarzach über die Berge nach Viechtach ins Regen-Tal führt, eine Klause, betete und arbeitete und gewann sich durch seine Frömmigkeit viele Freunde. Sein Gefährte erschlug ihn in der Oktav nach Epiphanie aus Neid und bedeckte den Leichnam mit Schnee und Reisig. Ein reisender Weltpriester namens Ruodbertus fand am Pfingstfest des gleichen Jahres den Toten und ließ ihn bestatten. Über seiner Grabstelle wurde 1131 eine steinerne Kirche erbaut. Erst später wurde die Talschaft besiedelt und der Ort Sankt Englmar entstand.

Vor allem an Pfingsten kamen fromme Beter in die neuerbaute Kirche. Am Grab des Seligen fanden in der Folgezeit viele Kranke Heilung. Als Todesjahr wird allgemein das Jahr 1100 angegeben.

Das Leben des Seligen und sein gewaltsames Ende blieben allzeit im Volke lebendig, und so wurde es auch in der Barockzeit in großen Tafelbildern mit erklärenden Versen dargestellt. Diese Legendentafeln sind heute noch der besondere Anziehungspunkt der Pfarrkirche Sankt Englmars.

 

Umzug und Schauspiel – Tradition bis ins heute

Das „Englmarisuchen” wiederholt nun alljährlich in einem religiösen Schauspiel jene Episode, in der der Priester den Toten auffindet und zu Tal bringen lässt. Tausende erleben jedes Jahr den farbenprächtigen Zug durch das Dorf hinauf zum Kapellenberg, wo nach der Auffindung der Skulptur des seligen Engelmar der Pfarrer hoch über den Häusern des Ortes die Feldmesse hält.

Wer dem Zug durch den Ort folgt oder von einem guten Aussichtspunkt aus das Geschehen beobachtet, wird sich fragen, wie lange dieser eigentümliche Brauch, der in Bayern wohl ohne Beispiel sein dürfte, schon besteht. Dieses gelebte Brauchgeschehen war es auch, das den Namen Sankt Englmar im süddeutschen Raum und auch darüber hinaus in ganz Deutschland bekannt machte. Und dies übrigens lange  bevor sich der Ort als beliebtes Urlaubsziel einen guten Namen in der Tourismusbranche schaffen konnte.

kircheSeit wann gibt es nun das Englmari-Suchen? Die Erinnerung der Leute in der Gemeinde reicht verständlicherweise natürlich nicht so weit zurück, als dass man behaupten könnte, in diesem oder jenem Jahr sei der Entschluss gefasst worden, die Auffindung des Leichnams des heiligmäßigen Eremiten in einem Spiel gleichnishaft als Schauspiel darzustellen. Auskunft über die Geschichte dieses Brauchtums geben Archive und Bibliotheken. Gemeinhin nimmt man an, das Englmari-Suchen sei in der Barockzeit, also im 18. Jahrhundert, entstanden, als die Festfreudigkeit im Volke ihren Höhepunkt erreichte. Ein bestechender Gedanke zweifellos, aber leider fehlen bis heute irgendwelche Hinweise in den Archiven, die diese Annahme bestätigen würden.

Erst 1850 findet sich der Nachweis für eine Figurengruppe – den Englmari-Wagen – , den ein Fuhrmann leitete; begleitet von einem Einheimischen, der den Abraham darzustellen hatte. 1861 ist auch zum ersten Male in der Literatur vom Englmari-Suchen die Rede.

Bis zum Jahre 1906 fand nun in ununterbrochener Folge das Englmari-Suchen am Fronleichnamstag statt, als Teil des Zuges durch Sankt Englmar und seine Ortsfluren. 1946 kamen Pfingstl und Pfingstltuscher in den Umgang, eine besondere Attraktion.

Heute ist das Englmari-Suchen weitestgehend organisiert, über seinen Bestand und seine formgerechte Gestaltung wacht der Förderverein Sankt Englmar in Zusammenarbeit mit dem Pfarrer und dem Bürgermeister.

Soweit die Geschichte des Englmari-Suchens, oder besser ein Abriss dessen, was wir heute von der Geschichte dieses einmaligen Brauches wissen.

Eine Beschreibung des kompletten Umzuges ist an dieser Stelle müßig, denn mit eigenen Augen muss man das beeindruckende Schauspiel sehen, wenn der Zug in historischer Kleidung am Fuße des Kapellenberges ankommt – mit Reitern und Fußvolk, wenn ein Jäger den Leichnam des Seligen in Form einer überlebensgroßen Holzfigur im Wald unter Reisig sucht, den „Toten“ findet und birgt .Der Geistliche kniet nieder und betet – „ein Moment der Weihe“. Es folgt eine Feldmesse mit Beteiligten und Zuschauern. Anschließend wird die Englmar-Figur auf einen Ochsenwagen gebettet und in einer Bittprozession in den Ort gebracht. Schließlich wird die Statue in die Pfarrkirche eingeholt, wo sich die Menschen zum Gebet beim seligen Engelmar niederlassen können.

Die Veranstalter möchten unbedingt darauf hinweisen, dass die Teilnehmer auf für einen traditionellen historischen Umzug mit religiösem Hintergrund angemessene Kleidung achten, das heißt zumindest ländliche Tracht oder stilvolle Reitbekleidung.

März 2008